
Staatsdienst als Sprungbrett?
Mit Interesse liest man, wer sich alles für das Stadtpräsidium in Stellung bringt. Auffällig ist weniger die Zahl der Kandidaturen als deren beruflicher Hintergrund: Staatsdienst wohin man blickt. Offenbar gilt das Rathaus inzwischen als logische Beförderungsstufe im innerbetrieblichen Karriereplan.
Wer jahrelang im geschützten Umfeld staatlicher Strukturen gewirkt hat, mag Verwaltung beherrschen – doch reicht das als Qualifikation für die politische Führung einer Stadt? Unternehmertum, Führungserfahrung ausserhalb subventionierter Systeme, Verantwortung unter realem Wettbewerbsdruck – all das scheint verzichtbar geworden zu sein. Hauptsache, man kennt die Abläufe im eigenen Haus.
Man könnte fast meinen, das Stadtpräsidium sei die Krönung einer Verwaltungslaufbahn, nicht aber ein Amt mit politischem Gestaltungsanspruch. Vielleicht täte etwas mehr Bodenhaftung gut – und etwas weniger Selbstgewissheit.
Für die Bürgerlichen sollte die Lehre daraus klar sein: Nicht nur die Person im Stadtpräsidium ist entscheidend. Noch wichtiger ist, dass im Parlament wieder eine bürgerliche Mehrheit Einzug hält. Wer gestalten will, braucht Mehrheiten – nicht nur wohlklingende Ambitionen.
Es geht nicht um Titel oder Karrieresprung, sondern um die politische Ausrichtung unserer Stadt. Darüber sollten wir bei den kommenden Wahlen entscheiden.
Walter Hotz Schaffhausen
