
Der Jahresbericht 2025 der Wirtschaftsförderung des Kantons Schaffhausen zeichnet einmal mehr ein positives Bild. Erfolgsmeldungen dominieren, kritische Fragen sucht man vergeblich. Ich habe mich erneut vertieft mit den Zahlen und Aussagen auseinandergesetzt – und komme zu einem deutlich weniger euphorischen Fazit.
Was präsentiert wird, ist sorgfältig ausgewählt. Was fehlt, ist entscheidend. Gerade deshalb halte ich es für notwendig, genauer hinzuschauen und unbequeme Fragen offen anzusprechen – auch wenn ich damit oft allein dastehe.
Nachfolgend meine persönliche, bewusst kritische Einordnung.
Schöne Zahlen, grosse Fragen – und eine Strategie im Nebel
Ich habe die Arbeit der Wirtschaftsförderung in der Vergangenheit wiederholt kritisiert – oft als Einzelstimme. Der neue Jahresbericht 2025 bestätigt leider genau diese Bedenken.
Wieder werden 13 neu angesiedelte Unternehmen als Erfolg verkauft. Doch die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wie viele Firmen haben Schaffhausen gleichzeitig verlassen? Diese Zahl fehlt – und das ist kein Zufall. Ohne Netto-Bilanz sind solche Erfolgsmeldungen schlicht unredlich.
Noch problematischer ist, dass auch die Qualität dieser Ansiedlungen im Dunkeln bleibt. Wie viele Arbeitsplätze sind tatsächlich entstanden? Welche Branchen profitieren? Welche Firmen bleiben langfristig? Wer drei Millionen Franken Steuergelder einsetzt, darf sich nicht mit vagen Aussagen begnügen.
Und dann ist da die vielzitierte „neue Strategie“. Sie wird angekündigt, beschworen, in Aussicht gestellt – aber konkret bleibt es erstaunlich diffus. Was sind die Prioritäten? Welche Branchen sollen gezielt gefördert werden? Wie will man den Standort im verschärften Wettbewerb wirklich positionieren? Statt klarer Antworten gibt es Schlagworte. Das ist zu wenig.
Ich erwarte deshalb endlich Konsequenzen:
- Erstens: vollständige Transparenz über Zu- und Wegzüge von Unternehmen – inklusive ehrlicher Netto-Bilanz.
- Zweitens: klare, messbare Ziele bei Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und Steuererträgen.
- Drittens: eine stärkere Fokussierung auf bestehende Unternehmen, statt einseitig auf Kompetenzzentren und Forschungsförderung zu setzen.
- Viertens: eine unabhängige Überprüfung der Wirksamkeit dieser Politik.
- Fünftens: eine nachvollziehbare Strategie, die diesen Namen auch verdient – mit klaren Schwerpunkten, Zeitplan und überprüfbaren Zielen.
Solange diese Punkte offenbleiben, wirkt Wirtschaftsförderung wie ein System, das sich selbst bestätigt, statt sich kritisch zu hinterfragen. Drei Millionen Franken pro Jahr verpflichten zu mehr als schönen Zahlen und wohlklingenden Berichten.
Was es jetzt braucht, ist Ehrlichkeit, Klarheit – und endlich der Mut, auch unbequeme Wahrheiten offenzulegen.
Walter Hotz, Schaffhausen (05.04.2025)
